Rolf Fieguth
Universität Freiburg/Schweiz
Ströme, Erinnerung, Imagination.
Flussgedichte bei Czesław Miłosz und Johannes Bobrowski[1]
Der aus Zentrallitauen stammende polnische Dichter Czesław Miłosz (1911-2004) und der im ehemals deutsch-litauischen Grenzland beidseits der Memel beheimatete deutsche Dichter Johannes Bobrowski (1917-1965)[2] gehören in sehr unterschiedliche literarische Kontexte. Bobrowski wusste von Czesław Miłosz und sogar von dessen Verwandtem und Vorbild Oscar Venceslas de Lubicz-Milosz; ob der Pole den Deutschen wahrgenommen hat, ist wenig wahrscheinlich.Dennoch lassen sich mancherlei historische, literarische und sogar regionale Gemeinsamkeiten aufspüren. Beide sind Betroffene zweier Weltkriege und der mit ihnen verbundenen ideologischen und moralischen Katastrophen, namentlich auch als Exilanten[3]. Beide haben ausgeprägte philosophische und theologische Interessen und pflegen eine große Offenheit für die europäischen und nationalen Traditionen. Sie schaffen jeder seine Natur-, Landschafts- und Flusslyrik, die den konstruktiven Widerspruch sowohl zum Symbolismus als auch zu den progressiven Avantgarden gemeinsam hat. Sie haben sich ferner eine ‚paulinische’, intensive Nostalgie zu ihren Herkunftsregionen erarbeitet, d.h. ihr Heimweh ist zugleich Verzicht auf Anspruch und Zorn. Bobrowskis Region ist der nördliche Teil des Flusssystems der Memel (Nemunas, Nemona, Niemen), Miłoszs Sehnsuchtsland der mittlere Teil. Eine vergleichende Betrachtung ihrer Dichtungen soll allerdings nicht nur den Gemeinsamkeiten, sondern auch den erheblichen Unterschieden gerecht werden.
Das Heimweh nach der Landschaft Zentrallitauens, dem „Tal der Issa“[4], gehört von früh an zu den inspirierenden Energien von Miłoszs Poesie, denn seit 1922 war sein Schul- und Studienort Wilna vom neuen polnischen Staat annektiert und durch eine scharfe Grenze vom neuen Staat Litauen getrennt. Auch Bobrowskis eigenwilliges Heimatgefühl stand unter dem Eindruck der neuen Grenzziehung zwischen dem deutsch gebliebenen Ostpreußen und dem 1923 litauisch gewordenen Memelgebiet. Bobrowski war gebürtig aus Tilsit, das direkt an der neuen Grenze lag (und als Sovetsk weiterhin liegt), fühlte sich der pruzzischen und baltischen Vergangenheit der gesamten Region verpflichtet und verbrachte als Kind und Schüler viele Sommermonate bei den bäuerlichen Verwandten im litauischen Memelland (lit. Klaipėdos kraštas). Bei beiden Lyrikern lässt sich feststellen, dass sie gelegentlich ihr heimatliches Landschaftsthema auf kunstreiche Weise mit fernen Landschaften verbinden, aus Sehnsuchtslandschaften auch onirische Phantasielandschaften entstehen lassen sowie mehr oder weniger deutlich auch eine Verbindung zum Motiv der himmlischen Heimat des Menschen herstellen.
Ein Thema, das uns bei den Kommentaren zu den Gedichten beider Lyriker wenigstens in Andeutungen beschäftigen wird, ist die prosodische Gestaltung. Sie stehen beide in einem Spannungsverhältnis zu den klassischen Verssystemen ihrer angestammten Literaturen. Seit Martin Opitz errang in Deutschland – wie zuvor in Holland und England, und später in Russland – das syllabotonische Verssystem mit obligatorischen Reimen eine Dominanz neben fortwirkenden anderen Versarten. Gegen diese Dominanz wirkten sich die Rückgriffe auf die Prosodie der altgriechischen Poesie (namentlich auf Pindar, aber auch auf Alkaios und Sappho) aus, die seit Friedrich Klopstock und später Goethe und Hölderlin[5] in ein eigenes reimloses rhythmisches Idiom mündeten, das für Teile der modernen deutschen Poesie vorbildlich werden sollte, darunter für Bobrowski. In Polen war seit dem 16. Jahrhundert der syllabische Vers das traditionelle System, ähnlich der franzöischen und italienischen Dichtung, allerdings begann ab der Mitte des 19. Jahrhunderts daneben auch das syllabotonische System eine bedeutende Rolle zu spielen. Prominente Dichter des 20. Jahrhunderts wie Julian Tuwim und Boleslaw Leśmian griffen häufig hierauf zurück[6]. Miłosz entwickelt ständig neu sein rhythmisches Idiom in enger Auseinandersetzung mit beiden Systemen, die er oft unterläuft und in Fragmenten zitiert; auch greift er auf antike Muster zurück, vor allem aber reizt er die Möglichkeiten des Bereichs zwischen Vers und Prosa aus.
Wenngleich auf sehr verschiedene Weise, haben sich sowohl Czesław Miłosz, als auch Johannes Bobrowski zu poetischen Fürsprechern des östlichen Europa erhoben. Bei Miłosz ist daraus neben seiner Lyrik der bemerkenswerte Essayband West und östliches Gelände[7] entstanden, der die Idee einer kulturellen Gemeinschaftlichkeit auch geographisch weit voneinander entfernter europäischer Regionen befürwortet. Bobrowskis Lyrik ist von der Idee eines „sarmatischen Divans“ geleitet. Unter „Sarmatien“ verstand er „nach Ptolemäus das Gebiet zwischen Schwarzem Meer und Ostsee, zwischen Weichsel und der Linie Don-Mittlere Wolga. Ein Gebiet, aus dem ich stamme und in dem ich herumgekommen bin»[8]. In einem Brief an Hans Ricke vom 9.10.1956 schrieb er:„Ich will […] in einem großangelegten (wenigstens dem Umfang nach) Gedichtbuch gegenüberstellen: Russen, Polen, Aisten samt Pruzzen, Kuren, Litauern, Juden – meinen Deutschen. Dazu muß alles herhalten: Landschaft, Lebensart, Vorstellungsweise, Lieder, Märchen, Sagen, Mythologisches, Geschichte, die großen Repräsentanten in Kunst und Dichtung und Historie. Es muß aber sichtbar werden am meisten: die Rolle, die mein Volk dort bei den Völkern gespielt hat. Und so wird die Auseinandersetzung mit der jüngsten Zeit, für mich: der Krieg der Nazis, einen wesentlichen und sicher den gewichtigsten Teil ausmachen. So werde ich in den Gedichten stehen, uniformiert und durchaus kenntlich. Das will ich: eine große tragische Konstellation in der Geschichte auf meine Schultern nehmen, bescheiden und für mich, und das daran gestalten, was ich schaffe. Und das soll ein (unsichtbarer, vielleicht ganz nutzloser) Beitrag sein zur Tilgung einer unübersehbaren historischen Schuld meines Volkes, begangen eben an den Völkern des Ostens“[9]. Als Formulierung der Grundidee seiner Lyrik bleiben diese Sätze gültig. –
Zu Beginn seien zwei Gedichte unserer Dichter über ihre Heimat- und Sehnsuchtsflüsse nebeneinander gestellt: Bobrowskis „Die Jura”, und Miłoszs „W Szetejniach”/ „In Szetejnie”. Aus „Die Jura“werden Auszüge zitiert:
DIE JURA*
Deine Wasser
hart vor dem Wald,
unterströmig,
voll der weißen Kälte der Quellen
sommers.
[…].
In der Stille des jungen Tags
im Beerengesträuch
komm ich den Sandpfad. Mein Kahn
folgt deinem Herzlaut, dem immer
jähen Wassergeräusch
unter der Kühle.
[…]
Wer entzündet die späten
Feuer des Jahres, wo der Strom,
Nemona, geht, aus breiten
Lungen schreit vor dem Eis,
das herabfällt? Aus offenen Himmeln
stürzt es, es fällt ein gelber
Rauch vor ihm her.
(9 -10)
Im lyrischen Idiom ist der Autor ganz bei sich selbst. Durch die Schule der antiken Odendichter sowie Klopstocks und Hölderlins gegangen ist er frei, Fragmente alter Metren neu zu mischen, und damit modern, trotz einer Nähe zum 18. Jahrhundert. Wesentlich ist das Motiv des Dichters, der sich in mehrfacher Weise mit seinem Fluss identifiziert – als Fisch, als Kahnruderer und als alter Maler, der die baltisch-mythischen Ursprünge dieses Flusses wieder aufleben lässt, mit deutlichen Anklängen an vorchristliche pruzzische und litauische Götter-Vorstellungen – aber auch als vom geliebten Fluss Entfernter, der in der letzten Strophe nicht nur die blitzende Wintersonne und das verheerende Eis beschwört, sondern auch die „aus offenen Himmeln“ auf das Gebiet niederfallende Katastrophe, die neuerlich vom deutschen Volk ausging[10]. Bobrowskis Gedicht entstand in fernen Berlin-Friedrichshagen am 15.12.1958, in einer Situation, die jede Rückkehr zu diesem Fluss ausschloss.
Das anrührende Altersgedicht „In Szetejnie“ von Czesław Miłosz beschreibt demgegenüber die späte Wiederbegegnung eines vielfachen Exilanten (Zentralpolen, Frankreich, USA) mit seiner litauischen Kindesheimat Szetejnie und dem Fluss Niewiaża (lit. Nevėžis). Es ist in seinem ersten Teil auch eine Art Flussgedicht, das sich zugleich an die Mutter und an den Fluss richtet – das polnische Wort „rzeka“ für den Fluss ist weiblich. Wir zitieren den Beginn:
| W SZETEJNIACH | In Szetejnie |
| Ty byłaś mój początek i znów jestem z Tobą, tutaj gdzie nauczyłem się czterech stron świata. | Du warst mein Anfang und wieder bin ich bei Dir, hier wo ich die vier Himmelsrichtungen lernte. |
| Nisko za drzewami strona Rzeki, za mną i budynkami strona Lasu, na prawo strona Świętego Brodu, na lewo Kuźni i Promu. | Tief hinter den Bäumen geht’s Richtung Fluss, hinter mir und den Gebäuden Richtung Wald, rechts Richtung Heilige Furt, links nach Schmiede und Prahm. |
| Gdziekolwiek wędrowałem, po jakich kontynentach, zawsze twarzą byłem zwrócony do Rzeki. | Wo ich auch wanderte auf manch Kontinenten, immer stand ich mit dem Gesicht zum Fluss. |
| Czując aromat i smak rozgryzionej białoczerwonej soczystości ajeru. | Fühlte das Aroma und den Geschmack des weißroten Safts der Ackerwurz, die ich aufbiss. |
| Słysząc stare pogańskie pieśni żeńców wracających z pola, kiedy słońce pogodnych wieczorów dogasało za pagórkami. | Hörte die alten heidnischen Lieder der Schnitter, die zurückkamen vom Feld, wenn die Sonne der schönen Abende hinter den Hügeln langsam erlosch. |
| … | … |
(1110)
In diesem Spätgedicht ist Miłosz in der prosodischen Gestaltung mit der Zeilenlänge am weitesten von seinen gesamten Flussgesängen gegangen. Die zwischen 23 und 39 Silben schwankenden Langzeilen enthalten die lyrische Prosa der Psalmenverse, „proza wersetowa“, und zerfallen rhythmisch in kleinere Einheiten, in denen sich traditionelle polnische Halbverse und Verszeilenformate wiederfinden, und selbstverständlich zahlreiche Anspielungen auf antike Versfüße und Versfußkombinationen. –
Das nächste Gedicht, das hier näher betrachtet werden soll, stammt aus Miłoszs Frühzeit (1936), trägt den Titel „Powolna rzeka“/ „Langsamer Fluss“und hat visionären oder Traumcharakter. Das umfangreiche Werk knüpft mehrfach an traditionelle polnische Zeilenlängen (meist 11- und 13-Silbler) an und variiert zwischen Reimverzicht, Assonanzen und ausgeprägten Reimpassagen. Es baut in die rhythmische Gestaltung zahlreiche Anklänge an zwei- und dreigliedrige antike Versfüße und ihre Kombinationen (darunter Adonius) ein, was den getragenen Ton und Stil des Texts unterstreicht. Geschildert wird in traumartigen Bildern ein von Sümpfen gesäumtes Flussgebiet an einer Bucht zur Zeit der nicht völlig dunkel werdenden Nächte. Am Höhepunkt einer Frühlingsseligkeit tritt ein Unbekannter auf, der dem Sprecher-Ich Herrschaft über die Natur in Aussicht stellt – die Herrschaft eines Dichters über seine Dichtung, aber auch Ruhm und soziale Macht eines Herrschers über die Zukunft. Diese an Faust-Motive erinnernde Szene wird fortgesetzt in Visionen revolutionären Schreckens: der Leichnam eines grauhaarigen Ausbeuters und Peinigers („okrutnik“) wird an der Uferallee „abgelegt“, eine Schülergruppe singt dazu ein grotesk paradoxes, halb begeistertes, halb tief skeptisches Lied. Aus Booten werden Leichen auf den Sand geworfen, auf den Dünen wird von den Mördern martialisch ein Marienhymnus gesungen. Angesichts dieser Schreckensvisionen zweifelt das Ich an der Welt, an sich selbst und an der in seine Hand gegebene Herrschaft. Das Ende von „Powolna rzeka“/ „Langsamer Fluss“* gemahnt von ferne an ein gereimtes Opernfinale:
| Po trzykroć winno się obrócić koło | Dreimal muss sich drehen das Rad |
| ludzkich zaślepień, zanim ja bez lęku | menschlicher Verblendungen, eh ich furchtlos |
| spojrzę na władzę, śpiącą w moim ręku, | die Macht betrachte, die in meiner Hand schläft, |
| na wiosnę, niebo i morza, i ziemie. | den Frühling, den Himmel und die Meere, und die Lande. |
| Po trzykroć muszą zwyciężyć kłamliwi, | Dreimal müssen die Lügner siegen, |
| zanim się prawda wielka nie ożywi | ehe die große Wahrheit auflebt |
| i staną w blasku jakiejś jednej chwili | und ehe im Glanz eines einzigen Lidschlags erstehen |
| wiosna i niebo, i morza, i ziemie. | Frühling und Himmel, Meere und Lande. |
(87-88)
Es kann hier nur angedeutet werden, dass dieses visionär in eine nahe verheerende Zukunft blickende Gedicht dem polnischen Vorkriegskatastrophismus entspricht, der auf das Wirken der Bolschewiken im Osten und der Faschisten im Westen Polens reagiert[11].
In unserem Zusammenhang ist es als Wahrnehmungshintergrund für ein wenige Jahre später, aber in einer völlig veränderten historischen Situation entstandenes Flussgedicht von 1940 von Belang. Es handelt sich um „Rzeka”/„Fluss”, einen höchst eigenartigen, tragisch-satirischen Gesang auf Polens zentralen Fluss, die Weichsel, in der Periode der deutschen Okkupation. Der Text nimmt sich mit seinen zahlreichen Dreizehnsilblern[12] und seiner trotz unreiner Reime erkennbaren Paarreimstruktur deutlich traditioneller aus als „Powolna rzeka”/„Langsamer Fluss”. Das hat unter anderem mit der „entlarvenden” Verwendung der panegyrisch-klassizistischen Tonart des jüngeren Gedichts zu tun, die sich in den ersten fünf Zeilen geltend macht:
| RZEKA* | FLUSS |
| Wisło, rymem polotnym tyle opiewana, | Weichsel, mit hochfliegendem Reim vielbesungen, |
| W koliach lamp, w żagli kwiatach, uśmiechach i pianach, | Mit Lampionkolliers, Segelblumen, viel Lächeln und Schaum überhäuft, |
| Modrooka Wisełko! Ukaż się – prawdziwa. | Blauäugiges Weichslein! Zeig dich einmal, wie du bist. |
| Niech twoja woda żadnej goryczy nie zmywa | Damit dein Nass keine Bitterkeit herunterspült, |
| I pamięć niechaj da – nie zapomnienie. | Damit es Erinnerung spendet – und kein Vergessen. |
(164)
Die alten panegyrischen Redefiguren sollen, so scheint es, mit einer Poetik der nüchternen, kritischen Wahrheit konfrontiert werden. Und in der Tat, wie mit Peitschenschlag hat der Blitz des Jahrhunderts („błysk stuleci jak chlaśnięcie biczem“) die Szene der Besatzungswirklichkeit erhellt:
| Otośmy na ziemi | So sind wir auf der Erde, |
| Płaskiej, potratowanej. Widnokrąg zasnuty | Der flachen, getretenen. Der Horizont ist verhangen |
| Dymem czy ludzkim smutkiem. Wronich gromad nuty | Von Rauch oder menschlicher Trauer. Schreie von Krähenschwärmen |
| Ciągną się nad rżyskami i wozy wojenne | Ziehen über die Stoppelfelder, und Militärwagen |
| Warczą na pustej szosie. W okna ruin ciemne | Röcheln auf leerer Chaussee. In dunkle Ruinenfenster |
| Wiatr niesie piasek. Tylko z głośnym sykiem | Treibt Sand der Wind. Nur mit lautem Gezisch |
| Trze się o wiatr, krzycząca nieznanym językiem | Knirscht im Wind ihr Geschrei in fremder Sprache |
| Czerwono-czarna flaga. Cisza, wielka cisza, | Die rot-schwarze Fahne. Stille, große Stille, |
(164)
Die „rot-schwarze Fahne“ ist die nationalsozialistische Reichkriegsflagge der deutschen Besatzer. Und etwas später wird eine erschreckend gefügig gemachte Häftlingsgruppe ins Bild gebracht. All diese wirklichkeitszeichnenden Verse heben sich durch eine eminente lyrische Konkretheit hervor, die durch eine Auswahl der Realitätsaspekte erzeugt wird: statt des Krachens der Bomben der Sand, der in die dunklen Ruinenfenster fegt, statt des deutschen Gebrülls der Besatzer das kreischende Knattern ihrer schwarzroten Nazifahne – und später statt der Hiebe auf die Häftlinge die müde Hand des Befehlshabers, der den Ochsenziemer trägt. Aber zwischen diese Wirklichkeitsszenen wird auch eine prächtige Landschaftsschilderung eingeschoben – wie zur Ironie, doch zugleich wie zur Wahrung letzter Hoffnung:
| Już wieczór. Pustkowiami sinymi dziewanny | Es ist nun Abend. Ödflächen deckend steigen |
| Schodzą na dół ku Wiśle. Chwiejące się bramy | Die Königskerzen zur Weichsel hinab. Die schwankenden Tore |
| Obłoków już otwarte na ogród lazuru. | Der Wolken stehen nun offen zum lasurblauen Garten. |
| Fala zaraz różowo przygaśnie do wtóru | Gleich wird rosa die Welle erlöschen zum Klang |
| Dymiącym słońca miedziom. Glosy się odezwą | Aus den rauchenden Kupfern der Sonne. Letzte Stimmen |
| Ostatnie, pójdzie echo płaszczyzną bezbrzeżną, | Werden ertönen, ihr Echo über die randlose Ebene gehen, |
| Sznur dzikich gęsi z nieba hasło swoje nada | Eine Schnur wilder Gänse wird vom Himmel ihr Stichwort geben, |
| I w karłowatych sosnach, w jałowców osadach | Und in den Kümmerkiefern, in den Wacholdergebüschen |
| Noc powoli głębokie doliny wystrzyże. | Wird langsam die Nacht tiefe Täler ausschneiden. |
(164-165)
Hier, wie auch anderen Passagen in diesem Gedicht, wird mit erhabenen lyrischen Redefiguren nicht gespart, und die korrekten Dreizehnsilbler schreiten feierlich in angedeuteten assonanzenförmigen Paarreimen einher, die in der Übersetzung ausfallen. Die Anklage gegen die grausamen deutschen Besatzer verbindet sich mit einer unübersehbar deutlichen Kritik an der jahrhundertelangen Unterdrückung, denn skandalöserweise ist die Weichsel schon immer Zeugin des nicht nur nationalen, sondern auch sozialen Unrechts. Man sieht hier ein paradoxes Bestreben, das Miłosz immer wieder beseelt. Er strebt sowohl nach dem Erfassen des einmaligen hic et nunc, des konkreten individuellen bedichteten Gegenstands, als auch nach der Fixierung seiner Zeitlosigkeit oder Überzeitlichkeit.
Johannes Bobrowski arbeitet in seinen zahlreichen Landschaftsgedichten aus dem baltischen und russischen Raum mit Andeutungen und Verschlüsselungen. Dass das Kriegsgeschehen in seinen Flussgedichten häufig, ja fast regelmäßig präsent ist, erschließt sich oftmals erst intensiver Lektüre. Eine der Ausnahmen ist das Gedicht „Wetterzeichen“*, wo der Krieg mit geradezu expressionistischer Macht geschildert wird – hieraus die betreffenden Fragmente:
der Sommer kam
mit Ermattungen, mit
Blut in den Augen, zuckenden
Schläfen, den Mund voll Rost,
aber er führte die Hände
meinem Fluss, der den Feuern
geht im Schatten der Fische,
im Schatten des Schilfs entgegen,
im Schatten der Bäume –
Flamme, flieg, die Küsten
fahren einwärts ins Land,
lautlos, wehend von Dünen,
um das verlassene Meer
sinken die Steine – Feuer,
leg in den Sturm die Schwingen
wie Rauch, er trägt vor den Wettern
dich, vor der rasenden Stille,
ehe die Himmel brechen,
die siedenden Wetter, zerbrochen
die Lüfte dann, auf dem Sand
reglos der Fluss
und der Hügel getroffen,
(98-99)
Das Gedicht spricht ein völlig anderes poetisches Idiom als Miłoszs ironisch-klassizistisches „Fluss“-Gedicht; mit seinen kurzen, reimlosen freirhythmischen Zeilen und zahlreichen Enjambements unterscheidet es sich nicht auffällig von Bobrowskis sonstigen Gedichten, aber eine Sonderstellung verleihen ihm dennoch Explizitheit und Expressivität des lyrisch dargestellten Vernichtungsgeschehens. „Mein Fluss“, von dem Bobrowski hier spricht, kann nicht mit einem konkreten Lieblingsfluss identifiziert werden, vielmehr ist diese dramatische lyrische Szene derart visionär gehalten, dass sie auch für andere Flüssen der „sarmatischen Ebene“ gilt. Kein Zweifel, dass hier der Sommer den Fluss in den Tod führt. Der Sommer mag Züge eines apokalyptischen Engels haben, aber er hat auch die eines deutschen Fanatikers „mit Blut in den Augen, zuckenden Schläfen“. Der Tod des Flusses erinnert vielleicht an ein Weltende („die Küsten fahren einwärts ins Land“; „die Himmel brechen“), aber auch an eine schwere Luftbombardierung („auf dem Sand reglos der Fluss und der Hügel getroffen“). Überdies schwingt im Motiv des toten Flusses das Thema der verlorenen, für den im fernen Berlin-Friedrichshagen lebenden Dichter gleichsam gestorbenen Heimat mit. –
Aus einer späteren Periode, den Jahren des französischen Exils (1951-1960), stammt Miłoszs Gedicht „Notatnik: Dordogne“ /„Notizbuch: Dordogne“. Es handelt sich dabei erkennbar um den paradoxen Versuch, sowohl die individualisierende poetische Erfassung eines konkreten Flusses (hier der französischen Vézère), als auch zugleich überzeitliche überindividuelle Wesentlichkeit zu erzielen. Diese doppelte Zielsetzung wird durch zwei Mittel erreicht. Zum einen besteht ein verborgener, geographisch weit ausgreifender etymologischer Bezug, denn nicht nur bezeichnet das polnische Hydronym „Wezera“ viel eher die „Weser“ als die „Vézère“, sondern es scheint auch noch etymologisch mit zahlreichen weiteren europäische Flussnamen bis hin zur „Weichsel“ verwandt zu sein.[13] Vor allem aber wird das hic et nunc der Vézère durch den Rückgang auf mehrerlei historische und prähistorische Momente sowohl bestätigt, als auch überwunden – das konkrete Gewässer wird zum ‚Fluss der Zeit und der Überzeitlichkeit’: Die erste Strophe (bestehend aus 9- und 11-Silblern) nimmt Bezug auf Motive der prähistorischen Höhlenzeichnungen, für die die Gegend um Les Eyzies, „Welthauptstadt der Vorgeschichte“, berühmt ist:
| Ptak, bestia płowa albo jeleń | Vogel, fahles Untier oder Hirsch |
| myślą ku przodkom swoim nie wracają. | denken nicht an ihre Vorfahren zurück. |
| Ptak, bestia płowa ani jeleń | Vogel, fahles Untier oder Hirsch |
| żyją i giną a nie znają czasu. | leben und vergehen, aber kennen die Zeit nicht. |
(370)
Ab der zweiten Strophe zieht ein neuer Rhythmus ein: die nun verwendeten 8-Silbler erwecken mit ihren Anklängen an den vierhebigen Trochäus den Eindruck einer Stilisierung auf liedhafte Ballade oder Volkslied:
| Nad Wezerą zamki błyszczą, | An der Vézère blitzen Burgen, |
| a wyżej, wykuta w skale, | drüber, in den Fels gehauen, |
| pustelnia stoi strażnicza | wacht stets eine Einsiedelei |
| od tamtej wojny, stuletniej. | seit dem andren, Hundert-Jahr-Krieg. |
| (370) |
Die in einigen Strophen evozierte Volkstümlichkeit wirkt jedoch angesichts der Prähistorie geradezu ‚modern’, d.h. der Eindruck der Zeitlosigkeit eines ‚ewig unwandelbaren Volkslebens’ wird hier gerade nicht in vollem Ernst erzeugt. Vielmehr werden Anspielungen auf das Mittelalter, den „anderen, den Hundertjährigen Krieg“ (und damit zugleich auch auf den zweiten Weltkrieg), die gallo-romanische Epoche mit Elementen des Volkslebens bunt gemischt. Die Prähistorie, die Geschichte und die Gegenwart werden zu jener kompositen Art von Überzeitlichkeit oder Synchronie vereint, die wir schon von „Langsamer Fluss“ kennen. Dies wird durch den steinzeitlichen Pfeil in der Hand der Mädchenstatue vor dem Museum für Prähistorie in Les Eyzies versinnbildlicht:
| Na smutek czy na wesele | Zur Trauer oder zur Hochzeit |
| znaleźli kamienną strzałę. | fanden sie einen Pfeil aus Stein. |
| Oddali kamienną strzałę. | Sie gaben den Pfeil aus Stein |
| dziewczynie w bramie muzeum. | dem Mädchen am Tor des Museums. |
| (370) |
Auf völlig andere Weise verleiht Bobrowski in dem sehr verschlüsseltenGedicht „Erfahrung“ dem „Strom“ jenseits topographischer Anspielungen einen sowohl überzeitlichen als auch erkennbar persönlichen Sinn:
Erfahrung
Zeichen,
Kreuz und Fisch,
an die Steinwand geschrieben der Höhle.
Die Prozession der Männer
taucht hinab in die Erde.
Der Boden wölbt sich herauf,
Kraut, grünlich, gewachsen
durch ein Gesträuch.
Gegen die Brust
steht mir der Strom auf,
die Stimme aus Sand:
öffne dich
ich kann nicht hindurch
deine toten
treiben in mir
(162)
Wie in Miłoszs „Notizbuch: Dordogne“ wird Über- oder Außerzeitlichkeit durch ein prähistorisches Motiv (die Zeichen in der Höhle) signalisiert, doch damit enden die expliziteren Gemeinsamkeiten. Zu den impliziten gehört die christliche Konnotation der Wörter: „Zeichen, Kreuz, Fisch, Prozession“. Sie erfasst ferner die „Höhle“ im Sinn einer altchristlichen Katakombe, lässt aber auch die Vorstellung einer gemeinschaftlich (Prozession der Männer) durchgeführten Erkundung einer unter Wasser stehenden Höhle zu. Doch die erwähnte Konnotation strahlt auch auf die weitaus dunklere Fügung „der Strom […], die Stimme aus Sand“ aus, und zugleich auf die Rede dieser Stimme in der letzten Strophe. Stehen hier „Strom“ und „Stimme“ als Chiffre für eine poetische (oder höhere) Eingebung und damit für ein Heraustreten aus der Zeit? Jedenfalls erscheinen der Strom und die Stimme als ein zeitenthobenes inneres Ereignis, das in seiner Entfaltung durch „deine toten“, die in dem Strom treiben, behindert wird. Bobrowski soll „deine toten“ als „meine Vorbilder“ identifiziert haben[14]; es sind daneben aber auch andere Tote denkbar. –
Im Rahmen seines großen „sarmatischen” Projekts ist Bobrowski vielfach über die Grenzen seiner Memelregion hinausgegangen und hat Landschaften und Flüsse des Baltikums und Russlands in seine Lyrik einbezogen, die Wilia, die Düna, den Ilmensee, die Wolga, den Don, und viele andere. Diskret ist dabei die Rolle der gewissermaßen programmatischen Bezüge auf Volkslieder, Märchen, Legenden, Epen und hochliterarische Dichtungen der Juden, Zigeuner, Finnen, Balten und Slawen. Hinzu kommen Bobrowskis tiefe Verwurzelung in deutschen, lokalen und überregionalen Traditionen einschließlich des biblischen und des antiken Bereichs, und seine zuweilen überraschend weiten weltliterarischen Horizonte. Bemerkenswert ist, dass Bobrowski seine intertextuellen Anspielungen in aller Regel in Formulierungen verbirgt, die ganz und gar seinem eigenen lyrischen Idiom zu entsprechen scheinen. So verhält es sich auch in dem Gedicht „Von den Strömen”*, das bereits im Titel eine weit ausgreifende Darstellung ankündigt. Wenn nicht das französische Zitat aus Saint-John Perse als Motto über dem Text stünde, käme der Leser spät darauf, dass hier eine topographische Hybridisierung von heimatlichen und sarmatischen Flussimaginationen mit sehr weit entfernten anderen, pazifischen Motiven stattfindet – nämlich erst ab der dritten Strophe:
Inseln immer, das weißt du,
über den Wassern, über
der Ferne, dort bist du geboren,
zu einer Zeit, die ein Vogel
war, gefiedert mit zahllosen
Farben zwischen
Ocker und Rosa, es war
ein Vogel, du weißt.
(112)
Aber auch mit dem Wissen, dass das Gedicht eine Huldigung an den französischen Nobelpreisträger darstellt, verkennt der Leser nicht, dass der Deutsche dem Kollegen die gleiche Nostalgie unterstellt, die ihn selbst umtreibt: die Sehnsucht nach einem Reich, wo „eine Wolke die Zeit” ist und die „Regen des Lichts” trinkt. Die Aufhebung der Zeit stiftet und stillt die Sehnsucht nach der in der Poesie erstehenden Heimat „über der Ferne”. Es gilt, in der Fremde zu leben mit einer „Strömung, /weiß, noch wenn es dunkelt / weiß, ohne Heftigkeit, dicht/ unter das Herz gelagert.” Das „du” ist hier gleichermaßen Selbstansprache und Evokation des anderen. Es erfährt in der folgenden Strophe eine Art kosmischer Metamorphose zum auf hohem Gebirge singenden Schöpfer der Ebene, zum „Bewohner fliegender Wälder, der/ seine Flügel nicht weiß”. Der Dichter als der Zeit enthobener und ins Nachleben versetzter singender Vogel ist ein Motiv, das möglicherweise bei Saint-John Perse, auf jeden Fall aber bei Horaz vorkommt (Carm. 2, 20, incipit Non usitata nec tenui ferar).Dass sich der Deutsche in diesem Text mehrere Worte und Formulierungen aus dem Umkreis des Franzosen zu Eigen macht, fällt nicht aus Bobrowskis ureigenstem Tonfall heraus und dient der Huldigung des Exilanten an den heimatlosen[15] Kollegen und an die Macht aller großen Poesie.
Miłoszs visionäre Darstellung einer gewaltigen nordamerikanischen Flusslandschaft in „Przed krajobrazem”/ „Vor der Landschaft”* unterscheidet sich wieder stark von Bobrowskis Gedicht, doch auch bei ihm wird ‘der Dichter’ der Zeit und dem Ort enthoben. Das Gedicht schildert eine nordamerikanische Fluss- und Gebirgslandschaft, die eine dreifache Wasserscheide darstellt: Flüsse fließen von hier in Richtung Pazifik, in Richtung Atlantik, und in die ferne Richtung des Nordmeeres. Gemeint ist wohl das Columbia-Eisfeld[16]:
| Na tym stoku świerk, jodła i cedr, na tamtym sosnowe bory. | Auf diesem Hang Fichte, Tanne und Zeder, auf jenem Kiefernwälder. |
| Błyszczy dział wód spływających w zachodni i wschodni ocean. | Blitzend die Wasserläufe, die zum westlichen oder zum östlichen Ozean fließen. |
| Tylko jedna stężona rzeka struży się prosto na północ, | Nur ein Fluss strömt stracks nach Norden, |
| Gdzie przezroczysta szarość w złotawej górskiej bramie, | Wo lichtes Grau in goldschimmerndem Bergportal schwebt, |
| Szarość ogromnej ciszy, blade jeziora, | Ein Grau großer Stille, bleiche Seen, |
| I bagienna jedlina jeszcze tysiąc mil | Und sumpfiger Tann noch tausend Meilen |
| Aż do granicy, pustki polarnej. | Bis zur Grenze, zur Wüste des Pols. |
(612)
Der nach Norden fließende Fluss Athabasca mobilisiert sehr diskret die Erinnerung des polnischen Litauers an die Flüsse seiner Herkunftsregion, doch ruft der gesamte Anblick die mythische Vorstellung von der Einheit des eigenen Körpers mit der Erde und von seiner kosmisch-geologischen Transformation auf. Das Ganze erinnert an antike Vorstellungen von der Entstehung der Menschenwelt aus gigantischen Titanen- und Drachenkämpfen:
| W moich snach ziemia była jednością mojego ciała, | In meinen Träumen war die Erde Einheit meines Körpers, |
| Tutaj nad Athabasca i wszędzie gdzie żyłem, wędrowny. | Hier am Athabasca und überall, wo ich lebte, ich Wanderer. |
| Opierałem rękę o spiętrzenia gór. | Ich stützte die Hand auf die Schichtung der Berge. |
| Delty kroiły mnie w upale smoczych pobojowisk. | Mündungsgebiete schnitten mich zu in der Hitze von Drachenkampfplätzen. |
(612)
Schließen wir unseren Durchgang ab mit dem vollen Text des relativ späten Miłosz-Gedichts „Rzeki”/„Flüsse” (1980) in lyrischer „Psalmenprosa”, das keines Kommentars bedarf, auch nicht in seinem Einklang mit den Flussgedichten Bobrowskis:
| RZEKI | Flüsse |
| Pod rozmaitymi imionami was tylko sławiłem, rzeki! | Unter verschiedenen Namen habe nur euch ich gerühmt, Flüsse! |
| Wy jesteście i miód i miłość i śmierć i taniec. | Ihr seid Honig und Liebe und Tod und Tanz. |
| Od źródła w tajemnych grotach bijącego spośród omszałych kamieni, | Mit dem Quell, der in heimlichen Grotten unter bemoosten Steinen sprudelt, |
| Gdzie bogini ze swoich dzbanów nalewa wodę żywą, | Wo die Göttin aus ihren Gefäßen lebendiges Wasser gießt, |
| Od jasnych zdrojów na murawach, pod którymi szemrzą poniki, | Mit den hellen Rinnsalen auf den Wiesen, unter denen die Strudel flüstern, |
| Zaczyna się wasz bieg i mój bieg, i zachwyt i przemijanie. | Beginnt euer und mein Lauf, Entzücken, Vergehen. |
| Na słońce wystawiałem twarz, nagi, sterujący z rzadka zanurzeniem wiosła, | Der Sonne setzte ich das Gesicht aus, nackt, und tauchte selten zum Steuern das Ruder ein, |
| I mknęły dębowe lasy, łąki, sosnowy bór, | Und es zogen die Eichwälder vorbei, die Wiesen, der Kiefernwald, |
| Za każdym zakrętem otwierała się przede mną ziemia obietnicy, | An jeder Biegung eröffnete sich mir das Land der Verheißung, |
| Dymy wiosek, senne stada, loty jaskółek-brzegówek, piaskowe obrywy. | Der Rauch der Dörfchen, die schläfrigen Herden, die Flüge der Uferschwalben, die Steilwände aus Sand. |
| Powoli, krok za krokiem, wstępowałem w wasze wody | Langsam, Schritt für Schritt, trat ich in eure Wässer |
| I nurt mnie podejmował milcząco za kolana, | Und die Strömung umfasste mich schweigend am Knie, |
| Aż powierzyłem się, i uniósł mnie, i płynąłem | Bis ich mich anvertraute, und trug mich fort, und ich schwamm |
| Przez wielkie odbite niebo triumfalnego południa. | Durch den großen gespiegelten Himmel des triumphalen Mittags. |
| I byłem na waszych brzegach o zaczęciu letniej nocy, | Und ich war an euren Ufern zu Beginn der Sommernacht, |
| Kiedy wytacza się pełnia i łączą się usta w obrzędzie. | Wenn sich der Vollmond erzeigt und die Lippen sich finden im Ritual. |
| I szum wasz koło przystani, jak wtedy w sobie słyszę | Und euer Rauschen am Steg hör ich wie damals in mir |
| Na przywołanie, objęcie, i na ukojenie. | Auf Zuruf, Umarmung und Tröstung. |
| Z biciem we wszystkie dzwony zatopionych miast odchodzimy | Mit dem Vollgeläut aller versunkenen Städte gehen wir fort. |
| Zapominanych witają poselstwa dawnych pokoleń. | Die Vergessenen werden begrüßt von Abordnungen alter Generationen. |
| A pęd wasz nieustający zabiera dalej i dalej. | Doch euer unablässiges Strömen entführt weiter und weiter. |
| I ani jest ani było. Tylko trwa wieczna chwila. | Und gibt es kein Jetzt und kein Früher. Nur der ewige Augenblick hält an. |
(769)
Anhang
Die vollständigen Texte der mit * gekennzeichneten Gedichtzitate in der Reihenfolge ihrer Kommentierung. Die Miłosz-Übersetzungen sind vom Verfasser.
Johannes Bobrowski
| DIE JURA | |
| Einst | |
| Deine Wasser | erhob ein großer |
| hart vor dem Wald, | Gott der Fluren, ein Hartmaul |
| unterströmig, | das Gesicht. Über dem Uferwald |
| voll der weißen Kälte der Quellen | stand er |
| sommers. | in der Schwärze der Opferstatt, |
| Nur um Mittag | glänzte vom Fett, |
| steigt an die Fläche leise | sah in den Wiesen das rötliche Erz, |
| mit den glänzenden Flossen | und die Quellen |
| der Fisch, ein alter Räuber. Er kehrt | schossen hervor, seiner Blicke |
| wieder unter Mond. Und er eilt nicht, | sandige Spur. |
| wenn der wilde Otter | |
| im Wurzelgewirr, | Wer entzündet die späten |
| tief im Geflecht der Finsternis lärmt. | Feuer des Jahres, wo der Strom, |
| Nemona, geht, aus breiten | |
| In der großen Stille | Lungen schreit vor dem Eis, |
| komm ich zu dir, | das herabfällt? Aus offenen Himmeln |
| schöner Bruder der Wälder, der Hügel, | stürzt es, es fällt ein gelber |
| mein Fluß. | Rauch vor ihm her. |
| In der Stille des jungen Tags | (I, 9 -10; 15.12.1958) |
| im Beerengesträuch | |
| komm ich den Sandpfad. Mein Kahn | |
| folgt deinem Herzlaut, dem immer | |
| jähen Wassergeräusch | |
| unter der Kühle. | |
| Uferweide, bittrer Geruch, | |
| ein Grün wie aus Nebeln, | |
| Und der Tau. Es hockt im verwachsnen Hang | |
| vor dem Dorf im Gebüsch | |
| der Graukopf, mit klammen Fingern | |
| malt er deine Röte, dein Grün, die fremde | |
| Bläue, den Silberlaut: |
Czesław Miłosz
| Powolna rzeka | LANGSAMER FLUSS |
| Tak pięknej wiosny jak ta już od dawna | So schön wie dieser war ein Frühling schon lange |
| nie było; trawa, tuż przed sianokosem | nicht mehr; das Gras, kurz vor der Mahd |
| bujna i rosy pełna. W nocy granie | üppig und voller Tau. In der Nacht schallen Konzerte |
| słychać z brzegu moczarów, różowa ławica | vom Rand der Tümpel, ein rosa Streifen |
| leży na wschodzie aż do godzin rana. | liegt über dem Osten bis hinein in den Morgen. |
| O takiej porze każdy głos nam będzie | In solcher Stunde wird jede Stimme uns |
| krzykiem triumfu. Chwała, ból i chwała | zum Schrei des Triumphs. Ruhm, Schmerz und Ruhm |
| trawie i chmurom, zielonej dębinie, | dem Gras und den Wolken, dem grünen Eichwald, |
| rozdarte wrota ziemi, odkryty klucz ziemi, | aufgerissen die Tore der Erde, entblößt die Quelle der Erde, |
| gwiazda już wita dzień. Więc czemu twoje | das Gestirn begrüßt nun den Tag. Warum also bergen |
| oczy zamknęły w sobie blask nieczysty | deine Augen einen unreinen Glanz |
| jak oczy stworzeń, które nie zaznały | wie Augen von Geschöpfen, die das Böse |
| zła i za zbrodnią tylko tęsknią? Czemu | nicht kennen und nur nach der Untat trachten? Warum |
| przez powieki zmrużone prześwieca gorąca | scheint dir durch die geschlossenen Lider die heiße |
| toń nienawiści? Tobie panowanie, | Tiefe des Hasses? Dein ist die Herrschaft, |
| tobie obłoki w złoconych pierścionkach | dir spielen goldenberingt die Wolken |
| grają, na drogach sława szepczą klony, | auf, an deinen Wegen flüstert der Ahorn dir Heil, |
| od każdej żywej istoty przebiega | von jedem lebenden Wesen verläuft |
| do twoich dłoni niewidzialna uzda – | zu deinen Händen ein Seil unsichtbar — |
| targniesz -i wszystko zakręca w półkole | zieh nur — dann dreht sich alles im Halbkreis |
| pod baldachimem nazywanym cirrus. | unter dem Baldachin namens cirrus. |
| A prace jakie są? O, ciebie czeka | Und welches die Arbeiten sind? Sieh, dich erwartet |
| jodłowa góra, na niej tylko zarys | der Tannenberg, erst nur mit dem Umriss |
| wielkich budowli, dolina, gdzie zboże | großer Gebäude, das Tal, wo das Getreide |
| wzrosnąć powinno, stół i biała karta, | wachsen soll, der Tisch und das weiße Blatt, |
| na której może poemat powstanie, | auf dem einst eine Dichtung entsteht, |
| radość i trud. A droga umyka | und Freude und Mühe. Doch die Liebe die Fährte |
| spod nóg tak szybko, ślad biały się smuży, | enthuscht dir als weißer Streif unter der Sohle so schnell, |
| że ledwo wzrok wypowie powitanie, | dass kaum dein Blick einen Gruß sagen kann, |
| już słabnie uścisk rąk, westchnienie, już po burzy. | schon weicht der Hände Druck, ein Seufzen, vorbei ist der Sturm. |
| I niosą wtedy polem okrutnika, | Da tragen sie übers Feld einen Peiniger, |
| siwy kołyszą włos, w alei u wybrzeży | schaukeln sein graues Haar, an der Uferallee |
| składają, gdzie chorągwie zwija wiatr zatoki, | legen sie ihn ab, wo die Fahnen flattern im Wind der Bucht, |
| kędy po żwirach biegną szkolnych gromad kroki | wo auf Kieswegen Schulklassen schreiten |
| z pieśnią wesołą. | mit frohem Lied. |
| – „Aby w świątecznych ogrodach rżąc na murawach pili, | —„Auf festlichem Garten-Rasen sollen sie wiehernd trinken, |
| aby nie wiedząc, kiedy strudzeni, kiedy szczęśliwi, | sollen nicht wissen, wann sie erschöpft, wann sie glücklich sind, |
| chleb brali z rąk ciężarnych swoich żon. | und ihr Brot aus den Händen ihrer schwangeren Frauen nehmen. |
| Przed żadnym znakiem głowy nie ugięli | Vor keinem Zeichen habt ihr das Haupt geneigt, |
| bracia moi, rozkoszy spragnieni, weseli, | meine Brüder, dürstend nach Lust, fröhlich, |
| ze świata mając spichrz, radości dom”. | die Welt ist euch Speicher, ein Haus der Freuden“. |
| – „Ach, ciemna tłuszcza na zielonej runi, | –„Ach, das rohe Gesindel auf grünem Gefild, |
| a krematoria niby białe skały | und die Krematorien wie weiße Felsen, |
| i dym wychodzi z gniazd nieżywych os. | und der Rauch steigt auf aus den Nestern der leblosen Wespen. |
| Bełkot mandolin ślad wielkości tłumi, | Mandalinengestammel dämpft die Spur der Größe, |
| na gruzach jadła, nad mech spopielały | auf Trümmern der Speisen, über eingeäschertem Moos |
| nowego żniwa wschód, kurzawa kos”. | ist neuer Ernte Beginn und Sausen der Sensen“. |
| Tak pięknej wiosny jak ta, już od dawna | So schön wie dieser war der Frühling schon lange |
| nie miał podróżny świata. Krwią cykuty | nicht mehr für den Wanderer der Welt. Wie Schierlingsblut |
| wód przestrzeń mu się wydała rozległa, | erschien ihm der weite Raum der Gewässer, |
| a flota żagli, która w mroku biegła, | und die Flotte der Segel, die im Dunkel einherjagte, |
| ostatnim drgnieniem jakiejś czystej nuty. | wie ein letzter Ton von reiner Melodie. |
| Widział na piaskach rzucone postacie | Er sah auf den Sand geworfene Gestalten, |
| pod światłem planet lecących ze stropu, | wie sie im Licht der Planeten von oben flogen, |
| a kiedy milkła fala, cicho było, | und als die Welle verstummte, war es still, |
| z piany szedł zapach jodu? heliotropu? | aus dem Schaum kam ein Geruch von Jod? Heliotrop? |
| Na wydmach Maria, śpiewali, Maryja, | Auf den Dünen Maria, sie sangen Maria, |
| rękę zbroczoną składając na siodło, | und legten dazu die blutige Hand auf den Sattel, |
| nie wiedział, czy to jest to nowe godło, | er wusste nicht, ist dies ein neues Emblem, |
| które ma zbawiać, chociaż dziś zabija. | das erlösen soll, auch wenn es heute mordet. |
| Po trzykroć winno się obrócić koło | Dreimal muss sich drehen das Rad |
| ludzkich zaślepień, zanim ja bez lęku | menschlicher Verblendungen, eh ich furchtlos |
| spojrzę na władzę, śpiącą w moim ręku, | schau auf die Macht, die in meiner Hand schläft, |
| na wiosnę, niebo i morza, i ziemie. | auf Frühling, Himmel und Meere, und Lande. |
| Po trzykroć muszą zwyciężyć kłamliwi, | Dreimal müssen die Lügner siegen, |
| zanim się prawda wielka nie ożywi | ehe die große Wahrheit auflebt |
| i staną w blasku jakiejś jednej chwili | und ehe im Glanz eines einzigen Lidschlags erstehen |
| wiosna i niebo, i morza, i ziemie. | Frühling und Himmel, Meere und Lande. |
| Wilno, 1936 | Wilna 1936 |
| (86-88) |
Czesław Miłosz
| RZEKA | DER FLUSS | |
| Wisło, rymem polotnym tyle opiewana, | Weichsel, mit hochfliegendem Reim vielbesungen, | |
| W koliach lamp, w żagli kwiatach, uśmiechach i pianach, | Mit Lampionkolliers, Segelblumen, viel Lächeln und Schaum überhäuft, | |
| Modrooka Wisełko! Ukaż się – prawdziwa. | Blauäugiges Weichslein! Zeig dich einmal wie du bist. | |
| Niech twoja woda żadnej goryczy nie zmywa | Damit dein Nass keine Bitterkeit herunterspült, | |
| I pamięć niechaj da – nie zapomnienie. | Damit es Erinnerung spendet – und kein Vergessen. | |
| Choć inaczej o tobie pomników kamienie | Wenn auch anders von dir die Denkmalsteine | |
| Mówią, wiemy, czym jesteś: straszną, pustą rzeką, | Sprechen, wir wissen, was du bist: ein schrecklicher, leerer Fluss, | |
| Po równinach rozlaną, patrzącą od wieków | Über die Ebenen ergossen, und schaust seit Jahrhunderten | |
| Na kraj krzywdy i żalu. Te biele, rubiny | Auf ein Land des Unrechts und der Klage. Diese Weiß- und Rubinfarben | |
| Twoich poranków, gwiazdy, luki, serafiny | Deiner Morgenfrühen, die Sterne, Bögen, Seraphen | |
| Twoich poetów – przepaść to, co się rozwarła, | Deiner Dichter – der Abgrund ist es, der sich auftut, | |
| Zapomniana. Głos siłą wtłoczony do gardła, | Der vergessene. Mit Macht in die Kehle gestopfte Stimme, | |
| To mgła, mgła cudowności, która oczy karmi | Das ist der Dunst, der Dunst des Wunderbaren, der die entsetzten Augen nährt | |
| Przerażone zbyt słabych, aby ją rozdarli. | Denen, die ihn aus Schwäche nicht zu durchstoßen vermögen. | |
| I kiedy błysk stuleci jak chlaśnięcie biczem, | Und wenn da ein Jahrhundertblitzen ist wie Peitschenhieb, | |
| Oni śnią, że są wszystkim – i zostają niczem. | Träumen sie, sie seien alles – und bleiben ein nichts. | |
| Na próżno wzywać mogił. Niech leżą strudzeni. | Was nützt ein Weckruf an Gräber? Sollen sie liegen in ihrer Mühsal. | |
| Depczmy po ich spokoju. | Ihrer Ruhe der Tritt unserer Füße. | |
| Otośmy na ziemi | So sind wir auf der Erde, | |
| Płaskiej, potratowanej. Widnokrąg zasnuty | Der flachen, getretenen. Der Horizont ist verhangen | |
| Dymem czy ludzkim smutkiem. Wronich gromad nuty | Von Rauch oder menschlicher Trauer. Schreie von Krähenschwärmen | |
| Ciągną się nad rżyskami i wozy wojenne | Ziehen über die Stoppelfelder, und Militärwagen | |
| Warczą na pustej szosie. W okna ruin ciemne | Röcheln auf leerer Chaussee. In dunkle Ruinenfenster | |
| Wiatr niesie piasek. Tylko z głośnym sykiem | Treibt Sand der Wind. Nur mit lautem Gezisch | |
| Trze się o wiatr, krzycząca nieznanym językiem | Knirscht im Wind ihr Geschrei in fremder Sprache | |
| Czerwono-czarna flaga. Cisza, wielka cisza, | Die rot-schwarze Fahne. Stille, große Stille, | |
| Tylko to, na czerwieni, drapieżnego krzyża | Nur dies Flattern des raubgierigen Kreuzes | |
| Łopotanie jak głownia w kole krwawych iskier, | Auf seinem Blutrot, es knallt wie der Funken sprühende Brennklotz, | |
| Na znak, że bój pożarem, ład – pogorzeliskiem. | Zum Zeichen, dass Kampf steht für Feuer, und Ordnung – für Brandstatt. | |
| Już wieczór. Pustkowiami sinymi dziewanny | Es ist nun Abend. Ödflächen deckend steigen | |
| Schodzą na dół ku Wiśle. Chwiejące się bramy | Die Königskerzen zur Weichsel hinab. Die schwankenden Tore | |
| Obłoków już otwarte na ogród lazuru. | Der Wolken stehen nun offen zum lasurblauen Garten. | |
| Fala zaraz różowo przygaśnie do wtóru | Gleich wird rosa die Welle erlöschen zum Klang | |
| Dymiącym słońca miedziom. Glosy się odezwą | Aus den rauchenden Kupfern der Sonne. Letzte Stimmen | |
| Ostatnie, pójdzie echo płaszczyzną bezbrzeżną, | Werden ertönen, ihr Echo über die randlose Ebene gehen, | |
| Sznur dzikich gęsi z nieba hasło swoje nada | Eine Schnur wilder Gänse wird vom Himmel ihr Stichwort geben, | |
| I w karłowatych sosnach, w jałowców osadach | Und in den Kümmerkiefern, in den Wacholdergebüschen | |
| Noc powoli głębokie doliny wystrzyże. | Wird langsam die Nacht tiefe Täler ausschneiden. | |
| Słychać śpiew. Idzie tutaj. I już coraz bliżej | Gesang ertönt. Kommt näher. Immer näher heran | |
| Kolumna, chybocąca się zmęczonym krokiem, | Wankt müden Schritts die Kolonne, | |
| Z łopatami na plecach, przez jesienny popiół | Die Spaten geschultert, von herbstlicher Asche | |
| Przysypana. Obdarci, brudni, obojętni | Bestäubt. Abgerissen, schmutzig, gleichgültig | |
| Stąpają w cień kolein. Śpiew nad nimi tętni, | Treten sie in die Schattenfährten. Über ihnen das Lied, | |
| Rozkazem z ust wydarty twarzy ich nie zmienia. | Ihren Mündern befohlen, ändert nicht ihr Gesicht. | |
| Śpiewają, a oczami patrzą w głąb milczenia. | Sie singen, und ihre Augen blicken tief in das Schweigen. | |
| Z przodu strażnik z komendą, długi nahaj wlecze | Vornan kommandiert der Wächter, seine lange Peitsche | |
| W obwisłej dłoni. I w cienistej rzece | Schleppt er in geschwollener Hand. Im Schattenfluss | |
| Zachodu lufa srebrem zza ramienia zalśni. | Des Sonnenuntergangs leuchtet am Rücken silbern der Lauf. | |
| Ale oni posłuszni. Przywykłe do kaźni | Doch sind sie gehorsam. An Tortur gewöhnt | |
| Ciało ich rzeźwość chwyta. Kończą dzień – powszedni. | Erfasst ihr Leib die Frische. Ihr Tag, ihr Werktag, endet. | |
| Nie dla nich żar przyszłości ani przepowiedni | Nicht ihnen gilt das Feuer der Zukunft oder die Prophetensilben | |
| Astrologów na chmurach palące się zgłoski. | Der Astrologen, die auf den Wolken funkeln. | |
| Niebiosa głuche, martwe, żaden sygnał boski | Der Himmel ist taub, starr, kein göttliches Zeichen | |
| Nie spadnie błyskawicą na schylone głowy, | Wird ihnen auf die gesenkten Köpfe blitzen | |
| Ani im własnej nędzy wspominać – wiekowej, | Und ihnen künden von ihrem Elend – dem jahrhundertealten, | |
| Ni dochodzić, dlaczego karki im przygina | Oder erklären das Warum der Gewalt des Herrschers, | |
| Siła władcy, skąd kara ani czym jest wina. | Die ihnen den Nacken beugt, das Woher der Strafe und das Was der Schuld. | |
| Tak mijają. Daleko, kędy flaga tli się | So ziehen sie vorbei. Weit weg, wo die Fahne glimmt | |
| Na wietrze, jeszcze w słabym ciemnieją zarysie, | Im Wind, sind ihre Gestalten noch schwach zu erkennen, | |
| Aż między druty wejdą. Droga ich przesłoni. | Bis sie zum Stacheldraht kommen. Der Weg sie verdeckt. | |
| To mieszkańcy tej ziemi? Tak, to przecie oni. | Sind es Bewohner der Erde? Ja, das sind sie doch. | |
| Na granacie już jedna zapala się gwiazda. | Am Nachtblau geht nun ein Stern auf. | |
(164-165)
| Johannes Bobrowski | |
| WETTERZEICHEN | um das verlassene Meer |
| Mit dem Fluß hinab, | sinken die Steine – Feuer, |
| dem Wiesenfluß | leg in den Sturm die Schwingen |
| und den wilden Gerüchen | wie Rauch, er trägt vor den Wettern |
| der Wälder, redend | dich, vor der rasenden Stille, |
| laut mit dem Sommerlicht | |
| eh die Himmel brechen, | |
| und den Vögeln | die siedenden Wetter, zerbrochen |
| gegen den Abend, im Dunkel | die Lüfte dann, auf dem Sand |
| den Fledermäusen – im Winkelflug | reglos der Fluß |
| fuhren sie auf und hinab | |
| um eine Scheuer mit kleinen | und der Hügel getroffen, |
| Drachenflügeln – redend | ich halt einen Baum, ich red noch: |
| kam ich hierher, hier bin ich, | Wir sahen kommen die Zeichen |
| und schwinden, her durch die Stille | |
| auf dem Sandberg, ins trockne Moos | zwei Federn fielen herab. |
| setz ich den Fuß, den breiten | (98-99) |
| Himmel hab ich getragen, | |
| die atmenden Lüfte, ich schwanke, | |
| es ist ein Rauschen, ich hör | |
| in der dröhnenden Finsternis, | |
| hör auf den Fluß, er lag | |
| über dem Sand, die Hände | |
| führte der Wind ihm, | |
| der Sommer kam | |
| mit Ermattungen, mit | |
| Blut in den Augen, zuckenden | |
| Schläfen, den Mund voll Rost. | |
| aber er führte die Hände | |
| meinem Fluß, der den Feuern | |
| geht im Schatten der Fische, | |
| im Schatten des Schilfs entgegen, | |
| im Schatten der Bäume – | |
| Flamme, flieg, die Küsten | |
| fahren einwärts ins Land, | |
| lautlos, wehend von Dünen, |
| CZESŁAW MIŁOSZ | ||
| NOTATNIK: DORDOGNE | NOTIZBUCH: DORDORGNE | |
| Ptak, bestia płowa albo jeleń | Vogel, fahles Untier oder Hirsch | |
| myślą ku przodkom swoim nie wracają. | denken nicht an ihre Vorfahren zurück. | |
| Ptak, bestia płowa ani jeleń | Vogel, fahles Untier oder Hirsch | |
| żyją i giną a nie znają czasu. | leben und vergehen, aber kennen die Zeit nicht. | |
| Nad Wezerą, pod skałami | An der Vézère, unter Felsen, | |
| przez winnice ludzie idą, | Gehen Menschen durch Weingärten, | |
| niosą kosze, a w nich jabłka | Tragen Körbe, drinnen Äpfel | |
| zebrane z wielkich jabłoni. | Gepflückt von großen Apfelbäumen | |
| Nad Wezerą zamki błyszczą, | An der Vézère blitzen Burgen, | |
| a wyżej, wykuta w skale, | drüber, in den Fels gehauen, | |
| pustelnia stoi strażnicza | wacht stets eine Einsiedelei | |
| od tamtej wojny, stuletniej. | seit dem andren, dem Jahrhundert-Krieg. | |
| Na galloromańskie łuki | Auf die Bögen, galloromanisch, | |
| bluszcz kładzie wędrowne liście. | legt der Efeu Wanderblätter. | |
| Kobiety piorą bieliznę | Frauen waschen ihre Wäsche | |
| w słonecznej wodzie Wezery. | in der Vézère Sonnenwasser. | |
| Na smutek czy na wesele | Zur Trauer oder zur Hochzeit | |
| znaleźli kamienną strzałę. | fanden sie einen Pfeil aus Stein. | |
| Oddali kamienną strzałę. | Sie gaben den Pfeil aus Stein | |
| dziewczynie w bramie muzeum. | dem Mädchen am Tor des Museums. | |
| Les Eyzies, 1952 | Les Eyzies, 1952 | |
| (370) | ||
| Johannes Bobrowski | |
| Von den Strömen | |
| Ce n’était pas assez que tant de mers, ce n’etait pas assez que tant de terres eussent dispersé la course de nos ans. | |
| Saint John Perse | |
| Von den Strömen | ein Vogel, du weißt. |
| gekommen der See, gegangen | |
| durch Zähne und Klauen, Brandung, | Strömung, |
| Küsten, dieser Wälder aus zitternder Luft – | weiß, noch wenn es dunkelt |
| aufgerichtet ist | weiß, ohne Heftigkeit, dicht |
| mit faltigem Rückenfell | unter das Herz gelagert. |
| die hohe Ebene, bräunlich | |
| mit Schründen, Abstürzen – | Aber du tratst vor die Ebene, |
| die Gebirge herauf | |
| hier | bist du gegangen hinter den Trägern, du tratst |
| ist eine Wolke die Zeit, | vor den Schlaf, vor die Ebene, |
| groß, gestiegen über | die unter weißen Lidern |
| den Himmel und reine Lüfte | erwachte, zu eines grünen |
| trinkend, atmend, die Regen des Lichts. | Tieres Gesang, des Bewohners |
| fliegender Wälder, der | |
| Inseln immer, das weißt du, | seine Flügel nicht weiß. |
| über den Wassern, über | |
| der Ferne, dort bist du geboren, | Dort |
| zu einer Zeit, die ein Vogel | leb, deine Augen gehen |
| war, gefiedert mit zahllosen | über der See, eine Strömung, |
| Farben zwischen | weiß, noch wenn es dunkelt |
| Ocker und Rosa, es war | weiß, ohne Heftigkeit, dicht |
| von Männern mit Federhemden | unter das Herz gelagert, |
| und roten Haarschöpfen, abends | redend, Finsternis, aus |
| Stimmen die Segel, gehalten | |
| unter dem Wind | |
| (112-113) | |
Czesław Miłosz
| PRZED KRAJOBRAZEM | VOR DER LANDSCHAFT |
| Na tym stoku świerk, jodła i cedr, na tamtym sosnowe bory. | Auf diesem Hang Fichte, Tanne und Zeder, auf jenem Kiefernwälder. |
| Błyszczy dział wód spływających w zachodni i wschodni ocean. | Blitzend die Wasserläufe, die zum westlichen oder zum östlichen Ozean fließen. |
| Tylko jedna stężona rzeka struży się prosto na północ, | Nur ein Fluss strömt stracks nach Norden, |
| Gdzie przezroczysta szarość w złotawej górskiej bramie, | Wo lichtes Grau in goldschimmerndem Bergportal schwebt, |
| Szarość ogromnej ciszy, blade jeziora, | Ein Grau großer Stille, bleiche Seen, |
| I bagienna jedlina jeszcze tysiąc mil | Und sumpfiger Tann noch tausend Meilen |
| Aż do granicy, pustki polarnej. | Bis zur Grenze, zur Wüste des Pols. |
| W moich snach ziemia była jednością mojego ciała, | In meinen Träumen war die Erde Einheit meines Körpers, |
| Tutaj nad Athabasca i wszędzie gdzie żyłem, wędrowny. | Hier am Athabasca und überall, wo ich lebte, ich Wanderer. |
| Opierałem rękę o spiętrzenia gór. | Ich stützte die Hand auf die Schichtung der Berge. |
| Delty kroiły mnie w upale smoczych pobojowisk. | Mündungsgebiete schnitten mich zu in der Hitze von Drachenkampfplätzen. |
| I czekałem, nie mając w języku wyrazów, | Und ich wartete, denn ich hatte in der Sprache keine Wörter |
| Żeby nazwać to wszystko co moje i ziemi, | Zu benennen alles was mir und der Erde gehört, |
| Aż duch jakiś, z wulkanicznych mutacji poczęty, | Bis ein Geist, aus Vulkanmutationen empfangen, |
| Krzyknie i odczaruje nasze prawdziwe imię. Sierpień 1969 | Schreie und entzaubere unseren wahren Namen. August 1969 |
(612)
CZESŁAW MIŁOSZ
| RZEKI | Flüsse |
| Pod rozmaitymi imionami was tylko sławiłem, rzeki! | Unter verschiedenen Namen habe nur euch ich gerühmt, Flüsse! |
| Wy jesteście i miód i miłość i śmierć i taniec. | Ihr seid Honig und Liebe und Tod und Tanz. |
| Od źródła w tajemnych grotach bijącego spośród omszałych kamieni, | Vom Born, der in heimlichen Grotten unter bemoosten Steinen sprudelt, |
| Gdzie bogini ze swoich dzbanów nalewa wodę żywą, | Wo die Göttin aus ihren Gefäßen lebendiges Wasser gießt, |
| Od jasnych zdrojów na murawach, pod którymi szemrzą poniki, | Von den hellen Quellen auf den Wiesen, unter denen die Wasserstrudel plätschern, |
| Zaczyna się wasz bieg i mój bieg, i zachwyt i przemijanie. | Beginnt euer und mein Lauf, Entzücken Vergehen. |
(768)
[1] Dem vorliegenden Essay gingen Beiträge zur Danziger Konferenz Czesława Miłosza „Północna strona” (21.-22. März 2011) und zur Posener Konferenz Miłosz: Wschód-Zachód, 26.-30.XI.2011 voraus. Zitate werden (nur mit der Seitenzahl) nachgewiesen nach: Czesław Miłosz, Wiersze wszystkie, Kraków 2011; Johannes Bobrowski, Gesammelte Werke. Bd. 1 Die Gedichte, Stuttgart 1987. Die deutschen Übersetzungen von Miłosz-Zitaten stammen vom Verf. – RF.Ein * bei einem Gedichttitel verweist auf den vollständigen Text im Anhang.
[2] Zu Details der Biographie beider Dichter s. Andrzej Franaszek, Miłosz. Biografia, Kraków 2011; Reinhard Tgahrt, Johannes Bobrowski oder Landschaft mit Leuten : eine Ausstellung des Deutschen Literaturarchivs im Schiller-Nationalmuseum Marbach am Neckar, Marbach am Neckar 1993; Eberhard Haufe, Erläuterungen der Gedichte und der Gedichte aus dem Nachlass, Stuttgart 1998
[3] Nach Jahren der Prominenz im polnischen Nachkriegsstaat emigriert Miłosz nach Frankreich (1951-1960) und in die USA (1960-2000; US-Bürger 1970), wo er Anerkennung bei Dichterkollegen findet (Kenneth Rexroth, Robert Pinsky, Robert Hass; s. auch Czeslaw Milosz, New and Collected Poems (1931-2001), New York 2003), namentlich nach dem Nobelpreis 1980, der auch in Polen seine literarische und politische Bedeutung bekräftigt; 2000 kehrt er endgültig nach Polen zurück. Der Ostpreuße Bobrowski nimmt nach Kriegsdienst und sowjetischer Gefangenschaft 1949 Wohnsitz in Ost-Berlin, gewinnt dank Kontakten zur Gruppe 47 (seit 1960), Buchpublikationen in beiden Teilen Deutschlands (ab 1961) und vielen gesamtdeutschen und internationalen Dichterfreundschaften allgemeinere Anerkennung.
[4] Titel von Miłoszs „litauischem“ Kindheitsroman Dolina Issy, Paris 1955, dt. Übs. Maryla Reifenberg, Berlin 1957. „Issa“ ist ein Phantasiewort, das sich auf die vermutete etymologische Verwandtschaft zwischen europäischen Flussnamen Isar, Izère, Oise, Yzeron, Jizera, Aire, Yser, Issel, IJssel, Eisack, Isières u.a. bezieht (https://en.wikipedia.org/wiki/Old_European_hydronymy) und zugleich den realen Fluss Niewiaża/ Nevėžis meint.
[5] S. dazu Winfried Menninghaus, Hälfte des Lebens : Versuch über Hölderlins Poetik, Frankfurt am Main 2005
[6] Zum Syllabotonismus in Polen s. Maria Dłuska, Tadeusz Kuryś, Sylabotonizm, pod red. Zdzisławy Kopczyńskiej i Marii Renaty Mayenowej, Wrocław 1957
[7] Titel der deutschen Übersetzung (Maryla Reifenberg, Köln 1961) des Bandes Rodzinna Europa [Wörtlich: Familien-Europa, heimatliches Europa], Paris 1959
[8] Eberhard Haufe, „Bobrowskis Konzeption eines Sarmatischen Divan und die Genese der Gedichtbandtitel «Sarmatische Zeit» und «Schattenland Ströme», in: (http://balticsealibrary.info/index.php?option=com_flexicontent&view=items&cid=66:essays&id=445:bobrowskis-konzeption-eines-sarmatischen-divan-und-die-genese-der-gedichtbandtitel-qsarmatische-zeitq-und-qschattenland-stroemeq&Itemid=29)
[9] Johannes Bobrowski, Briefe 1937-1965, herausgegeben von Jochen Meyer, Band I 1937-1958, Göttingen 2017, 440-441
[10] Eberhard Haufe, Johannes Bobrowski. Erläuterungen…, op.cit., S.22-23, erwähnt diese Assoziation nicht.
[11] Ein polnisches Katastrophenbewusstsein der Zwischenkriegszeit drückt sich in Anknüpfung etwa an Friedrich Nietzsche und Oswald Spengler in Teilen des Oeuvres von Stanisław Ignacy Witkiewicz, Władysław Sebyła, Józef Czechowicz, des jungen Czesław Miłosz, und anderer aus. Vgl. auch Jens Herlth, Auf schmalem Grat: Der polnische Katastrophismus im 19. u. 20. Jahrhundert. Poetik, Rhetorik, Geschichtsverständnis, Habilitationsarbeit Köln 2007
[12] Ein traditionelles Zeilenformat der klassischen polnischen Poesie, ungefähres Äquivalent des italienischen oder französischen Alexandriners.
[13] Hans Krahe, Die Struktur der alteuropäischen Hydronymie, Wiesbaden 1963, fasste eine sicherlich schon früher diskutierte Konzeption von der vorgeschichtlichen Verwandtschaft zwischen zahlreichen europäischen Flussnamen zusammen, die Miłosz bekannt sein musste. Laut https://de.wikipedia.org/wiki/Weser gehen die Hydronyme „Weser/Werra“ (Dtl.), „Vézère“, „La Vis“ (Frkr.), „Vesdre“ (Belgien), „Viešinta/Wieszynta“ (Litauen), „Wisła/Weichsel” (Polen) auf eine gemeinsame sprachliche Wurzel zurück.
[14] Eberhard Haufe, Johannes Bobrowski…, op.cit., S. 172
[15] Saint-John Perse (1887-1975; Nobelpreisträger 1969), beheimatet in den Französischen Antillen, ab 1899 im Mutterland, 1940-1967 Exil in den USA.
[16] https://en.wikipedia.org/wiki/Columbia_Icefield